«einst und jetzt»: 31 Tössbrücken und ausgeklügelte Bewässerungssysteme

02.10.2018 - Medienmitteilung

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Die zehnte Ausgabe von «einst und jetzt», der Zeitschrift zu Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Zürich, folgt dem Lauf des Wassers. Zum einen befasst sich das Heft mit den Brücken über die Töss aus Holz, Stahl und Beton, welche die Entwicklung des Brückenbaus exemplarisch aufzeigen. Zum anderen handelt ein Beitrag von einem ausgeklügelten System von Kanälen und Schiebern an der Glatt, welches einst die Wiesen mit Nährstoffen und Wasser versorgte.

Massive Holzkonstruktionen, filigranes Stahlfachwerk und elegante Betonbögen überqueren die Töss von Winterthur bis Fischenthal. Die gedeckte Holzbrücke von 1846 tief im Tal unterhalb der Kyburg überstand als einzige Brücke oberhalb von Winterthur die Hochwasser der einst wilden Töss. Nach der Flusskorrektion in den späten 1870er-Jahren investierten der Kanton und die Fabrikanten der boomenden Textilindustrie viel in die Verkehrsinfrastruktur. Mehr als zwanzig Brücken und Stege aus Stahl wurden gebaut, die meisten davon stehen noch heute. Die Fachwerkkonstruktionen repräsentieren den damaligen Stand des Stahlbaus und machen das Tösstal zu einem einzigartigen «Brückenmuseum» – mit Objekten, die ihre Funktion nach wie vor erfüllen. Aus der Pionierzeit des Betonbrückenbaus stammt eine unscheinbare Brücke zuoberst im Tössbergland; sie dient seit 1899 der Waldbewirtschaftung. Elegante Stahlbetonbrücken entstanden in den folgenden Jahrzehnten im Schlosstal in Wülflingen und bei der Spinnerei Schöntal in Zell. Die zunehmende Verkehrslast und die Alterung machten Verstärkungen und Reparaturen notwendig, grösstenteils sind bei den Tössbrücken aber nach wie vor die originalen Bauteile erhalten. Gemeinden und Kanton kümmern sich um den Erhalt dieser wertvollen Zeugen der Technik-, Industrie- und Wirtschaftsgeschichte.

Wasser für die Wiesen der Hundigwuhrkorporation

Abb. 1: Die Brücke in Wila gehört zur ersten Generation der Stahlfachwerkbrücken im Tösstal. Die «Façonschmiede & Brückenkonstruktionswerkstatt Romanshorn» baute sie 1878.

Im Gebiet Hundig an der Glatt oberhalb von Glattfelden steht mitten auf dem Feld eine rostige Konstruktion mit Kurbel und Kette. Sie gehört zu den Überresten der Wässerwiesen, die hier bis in die 1960er-Jahre betrieben wurden. Um die kargen Böden an der Glatt mit Nährstoffen und Wasser zu versorgen, schlossen sich die Bauern in sogenannten Wuhrkorporationen zusammen und schufen ein raffiniertes System für die Bewässerung. Über einen Hauptkanal gelangte das Wasser von der Glatt in kleinere und kleinste Kanäle, grössere Schieber aus Eisen oder Holz steuerten den Durchfluss, kleine Brettchen leiteten das Wasser auf die Felder. Insgesamt zehn Korporationen unterhielten Wässerwiesen an der Glatt. Ein Verein möchte die letzten Zeugen dieser über Jahrhunderte gepflegten Wirtschaftsform erhalten und die traditionelle Wiesenwässerung wieder aufleben lassen, als Teil der Kulturgeschichte, aber auch zur Förderung einer artenreichen Flora und Fauna.

Digital statt analog: neue Dokumentationsmethoden in der Archäologie

Abb. 2: Bei der Tössscheidi in Steg steht eine der ältesten Zürcher Brücken aus armiertem Beton mit Baujahr 1899.

Ein weiterer Text in der neuesten Ausgabe von «einst und jetzt» berichtet davon, wie die Archäologie modernste Mittel zur Dokumentation Jahrtausende alter Strukturen nutzt. Manchmal legen die Ausgräberinnen und Ausgräber der Kantonsarchäologie äusserst komplexe Geflechte von Mauern, Gräben und unterschiedlichen Schichten frei. Diese Strukturen werden anschliessend von Hand zeichnerisch und fotografisch dokumentiert und eingemessen. Zur Zeit laufen mit grossem Erfolg Versuche, aus digitalen Fotografien dreidimensionale Modelle zu erstellen. Überblicks- und Detailaufnahmen von hoher Präzision entstehen schnell und mit relativ geringem Aufwand. Nächste Schritte wie die elektronische Datenerfassung und die GPS-Einmessung mittels Tablets werden bereits anvisiert.

Abb. 4: Archäologie mit modernen Mitteln: aus Dutzenden Fotos errechnet das Programm ein dreidimensionales Modell der Baugrube am Winterthurer Obertor.

Weitere Beiträge in «einst und jetzt» 10/2018

Abb. 3: Ein rostiges Relikt der Glattfelder Wässerwiesen. Der Schieber regelte einst der Durchfluss des Wassers von der Glatt auf die Felder in der Inselwiesen.

  • Trouvaille: Salz für Zürich
  • Standpunkt: Engagiert für Kirche, Staat und STARCH (Interview mit Bernhard Egg)
  • Glossar: Schiffchen, Fadenbremse
  • Tournee: «Katzenstriegelziehen» und das Taschentriptychon eines russischen Soldaten
  • Lokaltermin: Telefonzentrale Rifferswil, Burg Alt Wülflingen
     

«einst und jetzt» – Die Zeitschrift zu Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Zürich

Bestellformular auf www.starch-zh.ch. Pro Heft Fr. 15.–

(Medienmitteilung der Baudirektion)

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